Jahreslosung 2020:
Ich glaube;
hilf meinem Unglauben!

Mk 9,24

Es freut uns, dass Sie den Weg hierher gefunden haben. Auf dieser Seite finden Sie alles rund um die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Visp.

Aktuell

Ab Pfingstsonntag, den 31. Mai, 10.00h dürfen wir wieder Gottesdienst feiern! Ab diesem Datum gelten die Termine laut unserem Gemeindebrief KONTAKT, siehe den Hinweis rechts unter Downlaods auf dieser Website (bitte anklicken). Wir werden uns dabei an die vom Bundesrat geforderten Sicherheitsbestimmungen halten. Auf das Abendmahl und den Kirchenkaffee wird vorerst verzichtet.

Der Kirchgemeinderat, im Mai 2020.
Vor dem Ostergottesdienst in Visp
Vor dem Ostergottesdienst in Visp

Erwachsenenbildung digital!

"Begeisternde Bischöfe" von Tillmann und Johannes Luther, hier geht es zum Link: https://www.youtube.com/watch?v=v2ny7Au7rGo&t=42s

"Pfarrer Johann Josef Imseng oder das spannende Leben des ersten Hoteliers der Schweiz", Tillmann Luther im Gespräch mit Christoph Gysel:
https://www.youtube.com/watch?v=iBZayf6w24o

"Kirchenväter, vergessene Schätze der alten Kirche".
Interviewpartner ist Pfarrer Peter Lauber aus Buchen, im Kanton Bern.
https://www.youtube.com/watch?v=XUPJ9N9fPVk

"Faszination Calvin?!"
Interviewpartner ist Pfarrer Stephan Dreyer.
https://youtu.be/aDLka93EH4E

"Tourismus als Chance für die Kirche Teil 1" mit Michael Landwehr:
https://www.youtube.com/watch?v=xDGWFn6mvQc&t=336s

"Tourismus als Chance für die Kirche Teil 2" mit Christoph Gysel:
https://www.youtube.com/watch?v=X8ElryQGHd8&t=108s


Schriftliche Predigten

Hier sind Predigten für die Passionszeit (Prädikant Waniek), für Karfreitag und nach Ostern (Pfarrer Luther), für Ostersonntag und nach Ostern (Pfarrer Dreyer) und für nach Ostern (Tourismuspfarrer Christoph Gysel und Pfarrerin Susanna Kammacher).

Auffahrt/Himmelfahrt 2020
Thema: Such Dir den stärksten Verbündeten

Psalm 47
1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen." 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! 3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist heilig, ein großer König über die ganze Erde. 4 Er beugt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße. 5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er lieb hat. "SELA". 6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Hall der Posaune. 7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige! 8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen! 9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron. 10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden; er ist hoch erhaben. Amen.

Lukas 24,44-53
Er (Jesus)sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden, 46 und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; 47 und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an 48 seid ihr dafür Zeugen. 49 Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.
Jesu Himmelfahrt
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. 51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. 52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude 53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. Amen.

Noch heute sehe ich ihn vor mir: meinen Klassenkameraden Herbert. An ihm war einiges bemerkenswert. Alle Erstgeborenen in seiner Familie hiessen so wie er: Sein Vater hiess Herbert, sein Grossvater, sein Urgrossvater. Wir hatten fast denselben Nachhauseweg und er erzählte mir spannende Geschichten. Mein Nachhauseweg verging daher immer wie im Nu. Und schliesslich hatte die Freundschaft mit Herbert noch einen weiteren entscheidenden Vorteil. Er überragte mich und unsere Mitschüler um zweieinhalb Köpfe. Wenn mich jemand hänseln oder in den Schwitzkasten nehmen wollte: Ein Blick von Herbert genügte, um von mir abzulassen. Denn alle hatten Respekt vor ihm. In seiner Nähe fühlte ich mich immer sicher auf meinem Nachhauseweg. Herbert war mein bester Verbündeter. Ich habe ihn jedoch aus den Augen verloren. Was aus ihm geworden ist, weiss ich nicht. In jedem Fall: Es wäre doch gut, so einen starken Verbündeten zu haben. So eine Art Taschenherbert, den man rechtzeitig herausholt. Das wäre es doch. Und halt dich fest. die Bibel sagt es dir in Psalm 47: Es gibt noch was viel Besseres; nämlich einen Verbündeten ganz oben. Denn da ist der HERR, der Allerhöchste. Und das Evangelium unterstreicht es: Jesus geht für dich nach ganz oben. Er ist deine Verbindung nach ganz oben. Jesus ist ganz oben. Das ist der ERSTE PUNKT zu unserem Thema «Dein stärkster Verbündeter.» Jesus ist dein stärkster Verbündeter, denn er ist ganz oben. Er ist ganz oben. Und er ist die Gratis -Verbindung nach oben! Denn Jesus ist unser Verbindungsmann zum stärksten Verbündeten, zu Gott, seinem Vater. Frage: Warst du schon mal auf dem Eiffelturm? Dann hast du sie sicherlich gesehen und standest selbst drin: Ich meine die riesig langen Warteschlangen. Und dann kostet das Ganze auch noch was, bevor du in den Lift nach oben steigen kannst. Ganz anders durch Jesus Christus, da ist das gratis. Er ist deine kostenlose Verbindung nach ganz oben. Hast du es gehört oder gelesen? Letztes Jahr haben stundenlang Feuerwehrleute und Polizisten einen Kletterer auf dem Eiffelturm gejagt – und erst am Abend zur Aufgabe bewegen können. Das Wahrzeichen von Paris hatte sogar am Nachmittag schliessen müssen, sämtliche Besucher mussten den Turm aus Sicherheitsgründen verlassen. Dank einer speziellen Bergsteiger-Einheit, hat der Mann sich endlich „einfangen“ lassen. Welche Umstände, weil da einer an den Warteschlangen vorbei und gratis nach ganz oben wollte.
Anders eben bei Jesus, da passiert dies ohne Umstände, durch ihn geht’s für dich nach oben, direkt und wirklich gratis. Denn:
Er ist ganz oben. Und das wird offiziell, auch ausserhalb der Kirche so gesehen. Die University of Cambridge hat die historische Bedeutung von Personen gemessen. Sie hat einen Computer mit allen möglichen Daten gefüttert. Mit Abstand ist danach ganz oben, auf Platz 1 der wichtigsten Persönlichkeiten: Jesus Christus. Mach das auch für dich ganz persönlich so. Setze Jesus Christus persönlich auf Platz 1 bei dir! Denn:
Er ist ganz oben. Doch das Entscheidende dabei ist, obwohl Jesus ganz oben ist, ist er trotzdem nicht unnahbar: Neulich lese ich von einem gewissen Charles Symor, sechster Duke of Somerset (+1748), der war ein solcher Snob, dass er jedes Gespräch mit seiner Dienerschaft verweigerte und sich mit ihr nur durch Zeichensprache verständigte. Auf dem Weg von seinem Landsitz nach London liess er zahlreiche Häuser errichten, sodass er sich in den öffentlichen Gasthäusern nicht mit den niederen Klassen gemein machen musste. Ganz anders Jesus. Er ist ganz und gar nicht abgehoben. Im Gegenteil. Genauso hat sich Jesus vor seiner Himmelfahrt am Kreuz gezeigt. Er versteht auch dein Leiden, weil er selbst gelitten hat, weil selbst ganz unten war. Der amerikanische Präsident Lincoln fuhr einmal in einer Kutsche und sieht, dass ein Schwein mit seinen Ferkeln tief im Schlamm steckte und die Mutter ihren Ferkeln nicht mehr helfen konnte. Lincoln springt aus der Kutsche, wie er war, ohne Rücksicht auf sein Amt oder seine gute Kleidung, er befreit im Schlamm stehend eigenhändig jedes einzelne der Tiere und übergibt sie ihrer Mutter. Schau, so ist Jesus. So wenig abgehoben ist er. Er ist auch in die tiefste Tiefe für dich hinabgestiegen. Nach ganz unten. Und das führt uns zu einem zweiten Punkt. Jesus ist ganz oben, aber:
Er ist trotzdem da für dich! Das ist das ZWEITE. Er ist da in seinem Segen, darum segnet er seine Jünger. Und er ist da in seinem Wort. Darum spricht er zu seinen Jüngern von der befreienden Botschaft der Vergebung der Sünden und eröffnet ihnen das Verständnis für die Schrift. Es ist da in seinem Geist. Darum sendet er seinen Geist- die Kraft von oben. Er lässt seine Leute nicht allein! Denn er hat ein Herz für sie: Und Gott hat ein Herz auch für dich! Und was für eins.
Hast du das gewusst? Der Blauwal ist bis zu bis 27 Meter lang und 150 Tonnen schwer. Stell dir einmal vor, was das für lange Fischstäbchen geben würde. Die passen ja in keine Pfanne. Und ganz besonders gross ist eben das Herz vom Blauwal. Es ist so gross wie ein Auto. Was für ein Herz! Es gibt aber jemand, der ein noch grösseres Herz für dich hat: Gott, der Herr. Psalm 47 sagt: Er erwählt aus Liebe seine Leute aus und du darfst auch mit dabei sein! Und das darf ein riesiger Grund zum Loben, Preisen und Danken für dich sein! So wie es im Psalm steht und wie die Jünger es im Evangelium tun. Er ist da. Und darum kannst du ihm alles sagen und er hört dich. Stell dir vor: Sohn und Vater wohnen ganz oben in einem zehnstöckigen Hochhaus. Leider ist der Aufzug kaputt, also müssen sie die Treppen laufen. Im zweiten Stock sagt der Sohn zu seinem Vater, der keuchend die schweren Einkaufstaschen trägt: "Du Papa, ich muss dir was sagen." -"Sag es mir oben", antwortet der Vater. Oben angekommen, sagt er: "So, jetzt darfst du es mir sagen". Der Sohn gibt zur Antwort: "Wir haben den Schlüssel unten im Auto vergessen!"
Das kommt davon, wenn man nicht zuhört. ER aber hört dir zu. Denn auf Himmelfahrt folgt Pfingsten und so bleibt Gott uns Nahe und er ist da durch seinen Geist, wie er es versprochen hat. Gott hält seine Versprechen. Denn: Er ist da und er hört dich, er sieht was du brauchst. 1. Er ist ganz oben. 2. Er ist da. Und nun noch das DRITTE: 3. Er hat alles in seiner Hand. Daran erinnert uns ausdrücklich der Psalm 47. Er hat die Fürsten, die Völker, die Starken in seiner Hand. Von seinem Thron aus regiert die Erde. Gerade darum ist er dein stärkster Verbündeter. Und darum lass los und begib dich auch bewusst in seine Hand.
Stichwort «loslassen»: Stell dir vor, plötzlich rutscht ein Bergsteiger aus und kann sich gerade noch an einem winzigen Felsvorsprung festhalten. Als seine Kräfte langsam nachlassen blickt er verzweifelt zum Himmel und fragt: "Ist da jemand?" Plötzlich hört er eine Stimme: "Ja, ich bin es Gott!" "Was soll ich tun?" -"Sprich ein Gebet und dann lass los!" Der Bergsteiger ruft nach kurzem Überlegen: "Ist da noch jemand anderes...?" Kennst du das auch? Es ist nicht immer so einfach loszulassen und sich in Gottes Hände zu begeben, aber es lohnt sich am Ende eben doch. Wenn du loslässt, dich in die Hände des Allerhöchsten begibst, ändert sich alles. Denn: Er hat alles in seiner Hand. Er war einer der grössten Hollywood-Stars: Steve McQueen. Seine stahlblauen Augen, sein Image als knallharter Draufgänger waren berühmt. Er spielte Hauptrollen in bekannten Abenteuer- und Actionfilmen. Besonders auch Western. Stell dir vor im Wilden Westen predigt der Pfarrer über Nächstenliebe und stellt folgende Frage: "Warum drückt man möglichst bei allen Menschen gegenüber ein Auge zu?" Meldet sich ein Cowboy: "Auf die Art und Weise kann man besser zielen!" Ja, so ungefähr in der Art stellte sich Steve McQueen dar, so lebte er und so dachte man von ihm. Doch hinter dem selbstbewussten «King of Cool», wie er genannt wurde, steckte ein Mensch, der auch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens war. Er lernte Gott beim Ausüben seines Hobbys kennen. Da wollte er nämlich auch dem Himmel möglichst nahe sein. Nachdem er sich spontan ein Flugzeug gekauft hatte, nahm Steve McQueen Flugstunden bei einem Fluglehrer. Steve bewunderte die Ruhe, Fröhlichkeit und den inneren Frieden seines Lehrers. Mit der Zeit kamen sie ins Gespräch über Gott. Durch sein Hobby lernte der Star Steve McQueen Gott kennen – wer weiss, wem du beim Klettern, Wandern oder anderen Freizeitbeschäftigungen von Gott erzählen kannst? Wir dürfen doch seine Zeugen sein, sagt Jesus! Der Fluglehrer hat das direkt umgesetzt. Er erzählte dem Schauspieler von der Vergebung, die er durch Jesus bekommt. Das änderte das Leben des berühmten Schauspielers total. Er wurde er zu einem freundlichen und geduldigen Mann. Zum Beispiel hörte der geübte Dauer-Trinker Steve McQueen auch auf zu trinken. Er las die Bibel, er ging in die Kirche, er wusste sich in Gottes Hand. Auch als er schwer erkrankte, gab ihm sein Glauben an seinen stärksten Verbündeten die entscheidende Kraft, entschlossen den letzten Weg zu gehen. Denn er wusste: Er, der Herr, hat alles in seiner Hand.
Was hat du zurzeit nicht in deiner Hand…? Deine Gesundheit, ein unerledigtes Problem? Die Beziehung zu einem anderen Menschen? Eine bestimmte Sorge, ein Datum, das vor dir liegt? Übergib es IHM. Denn Er hat alles in seiner Hand: Darum schau auf ihn, trau auf ihn, bau auf ihn. Du hast es gehört: 1 Jesus ist ganz oben. 2 Er ist da. 3 Er hat alles in seiner Hand. ER, Jesus Christus ist dein stärkster Verbündeter. In dieser Gewissheit dürfen wir entschlossen und voller Vertrauen unseren Weg gehen. Amen.

Tillmann Luther, im Mai 2020

Thema: Nutze die Kraft des Staunens!
Psalm 8,
1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, auf der Gittit.
2 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
3 Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, daß du vertilgest den Feind und den Rachgierigen.
4 Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
5 was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan:
8 Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere,
9 die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.
10 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Hast du das gewusst? Ameisen können das bis zu 60- fache ihres Körpergewichtes tragen
Das wären auf einen Durchschnittsmenschen umgerechnet etwa fünf Tonnen! Wir wissen, dass so manch einer unter uns gerne Verantwortung trägt, aber fünf Tonnen! Oder hast du das gewusst: In unserem Psalm 8 ist ja von den Lebewesen im Meer die Rede. Ein Wal hat ein Herz so gross wie ein Auto. Auch bei grösster Anstrengung und Stress schlägt es nur 18-20mal in der Minute. Erstaunlich, oder?

Oder: Schollenaugen wandern. Anfangs sind die Augen einer jungen Scholle noch rechts und links, aber wenn sie sich dann platt auf den Boden legt und so bleibt, wandert das eine Auge auf die neue Oberseite. Das können nicht mal wir Menschen, wenn wir auf jemanden ein Auge geworfen haben. Das ist doch alles durch und durch erstaunlich, was es in Gottes Schöpfung zu erleben gibt. Es ist doch erstaunlich, was Gott für Ideen hat. Richtig oder richtig?
Und da sind wir schon mitten drin in unserem Thema: Nutze die Kraft des Staunens. Und das erste ist eben dies:
Staune über Gott!
Staune zB über den Namen Gottes:
«HERR, wie herrlich ist dein Name!» So beginnt und endet dieser Psalm. Und das stimmt.– So hat sich Gott selbst mit dem Namen Jahwe bekannt gemacht.Und das heisst übersetzt: «Ich bin (der ich bin)!» oder einfach: «Ich bin da!». –Und wie er das ist! Wie er für dich da ist!
-Weisst du, was ein Understudy ist? Ein Understudy ist jemand, der für einen anderen einspringt. Jemand, der sich im Theater, auf der Bühne, bereithält, im Falle, dass dem Schauspieler etwas passiert. Wenn zB seine Stimme, sein Kreislauf versagt oder sonst etwas. Genauso darfst du Gott für dich sehen. Er tritt für dich ein, wo dir die Nerven durchgehen, wo du meinst, du bist am Ende. Ja, noch mehr, er geht mit mir und dir jede nur erdenkliche Situation an. Du darfst es wissen und dich fest dranhalten: ER ist da. Wo auch immer du mit Problemen zu kämpfen hast: Ob in der Schule, auf der Arbeit oder Zuhause. Du kannst Gott wirklich bei seinem Namen nehmen und ihn anrufen, ansprechen- wir Christen nennen das übrigens beten (der Sonntag heute heisst ROGATE, «Betet», da werden wir extra daran erinnert). Das ist eine grosse Gnade, ein riesiges Geschenk! Gerade durch Jesus erfahren wir, dass wir Gott so beim Wort und bei seinem Namen nehmen dürfen.
Wir erkennen gerade an Jesus einmal mehr klar und deutlich: Gott ist wirklich für uns da! Das hat Gott durch das Kreuz dick und auf höchst erstaunliche Art und Weise unterstrichen. Auch und gerade in dieser Zeit, wo die ganze Welt von diesem Virus geplagt wird, ist der Herr für dich da. Staune über Gott!
Staune dabei auch über Gottes Wege! «Aus dem Mund der Kinder hat Gott sich eine Macht bereitet», so heisst es in Psalm 8.
Warum gerade die Kinder? Warum hat die Stimme der Kinder so eine Macht und einen Einfluss bei Gott?
Nun, da ist zB ihr Einfallsreichtun: Staune zum Beispiel über die Kinder und was sie so alles sagen: Stell dir vor, ein Kind sagt zu seiner Mutter: «Mama, gib mir bitte einen Fünfliber für den armen alten Mann!» – «Hier hast du einen. Du hast ein gutes Herz. Wo steht denn der Mann?» – «An der Ecke und verkauft Eiscreme.» Da kann man jetzt drüber schmunzeln und staunen, welchen Einfallsreichtum Kinder haben. Keine Überraschung ist darum, dass Gott sich Kinder als Sprachrohr bedient.
In Psalm 8 steht es deshalb: «Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet!»
-Warum hat die Stimme der Kinder bei Gott darüber hinaus so eine Macht und einen Einfluss? Nun, da ist zum anderen ihre riesige Erwartungshaltung. Diese Erwartungshaltung hat auch David, der Beter unseres Psalms. David weiss auch als Erwachsener: Ich bin ein Kind Gottes. Egal, was passiert, ich bin gehalten von IHM!. –Frage an jeden von euch, egal, wie alt du bist:
-Hast du diese Erwartungshaltung auch und lebst du sie?
Und noch etwas: Nobelpreisträger wurden gefragt, warum sie so erfolgreich als Wissenschaftler sind. Eine häufige Antwort ist: Unsere kindlich staunende Einstellung. Mir fällt dazu auch folgende Geschichte ein: Der Sohn wendet sich staunend zur Mutter: «Du Mutti, warum hat der Papa eigentlich so wenig Haare auf dem Kopf?» - «Na ja, das kommt, weil er so viel nachdenkt.» – Der Sohn fragt staunend weiter : «Ja, aber warum hast du so viele Haare?» - «Jetzt ist aber wirklich Zeit, ins Bett zu gehen!»
Wer weiss, was du selbst noch alles erfährst, wenn du neu das Kind in dir- das staunende Gottes Kind in dir entdeckst und lebst! -Welche weiteren praktischen Auswirkungen auf dein Leben hat das nun? Du kannst doch jetzt alles gelassen angehen, wenn Gott für dich da ist, oder nicht? Denke darüber einmal gezielt nach: Was heisst das für deine derzeitige Situation? In jedem Fall:
Staune über Gott!
Und rufe seinen Namen möglichst oft und häufig an. Lass die Leitung zwischen dir und deinem Herrn so richtig glühen! Dann bewahrst du dir diese Kraft des Staunens.
Das ERSTE ist: Nutze die Kraft des Staunens, indem du über Gott staunst!
Und nun ZWEITENS: Staune auch über dich! Ja, über dich!
Kennt ihr Günther Fritsch? Es ist ein mir selbst bis vor kurzem noch unbekannter Dichter. Von ihm stammen folgende Zeilen:
Steh ich am Morgen vor dem Spiegel, geb ich darauf Brief und Siegel,
muss mir ehrlich eingestehn: Ich hab schon besser ausgesehn!
Was ich sehe ist echt krass, die Augen rot, die Nase blass.
Und ganz still hör' ich mich sagen: Ach Spiegel, wärst du doch beschlagen!-Doch jetzt geht es weiter!
Doch dieser(der Spiegel) spricht: Oh nein, mitnichten, höre auf, dich selbst zu richten!
Ich geb dir hiermit zu verstehn: Ich hab schon Dümmere gesehn! -Soweit dieses Gedicht. –Ich sag dir eins:
Das ist total untertrieben! Von wegen «Dümmere!» Weisst du was Gott über dich sagt? Im Psalm steht es: Er hat dich nicht wenig niedriger gemacht als sich selbst, eben als Gott (oder Engel). Verschiedene Bibelübersetzungen gibt es dazu. Aber wenig niedriger als Engel ist schon hoch genug! Und in jedem Fall höchst erstaunlich. Sag dir das schon am Morgen vor dem Spiegel:
Ich bin von Gott gesegnet, ich bin von Gott wertgeschätzt, er hat mich so grossartig gemacht! -So, mit dieser Einstellung, geh in den Tag!
Staune über Dich! Und hör auf, negative Sätze über dich zu sagen: Ich kenne jemand, der immer auf die Frage «Wie geht es dir?» antwortet: «Ach, weiss, du Unkraut vergeht nicht!» He, du bist ganz und gar nicht kein Unkraut. Denk daran, wie Psalm 8 von dir spricht!
Staune über dich! Dein Gehirn zB stellt den modernsten Computer in den Schatten. Unsere Nervenfasern im Gehirn haben eine Länge von 160 000 km. Das ist viermal um die Erde. Jeder von uns hat unzählige Nervenzellen, die sich an 100 Billionen Schaltstellen miteinander verbinden. Da kann man doch wieder nur noch staunen.
Konkreter Ratschlag: Sprich den Psalm 8 in der kommenden Woche immer wieder mit eigenen Worten nach! Sooft, so bewusst und so persönlich wie nur möglich! Lasst dir seine Worte auf der Zunge zergehen. Staune über Gott, staune über seine Schöpfung und ja: Staune über dich!
Unser Thema heute ist:
Nutze die Kraft des Staunens.
Staune über Gott! Staune über dich!
Und nun noch das DRITTE: Bring auch andere zum Staunen!
Achte daher konkret auf deine Redeweise gegenüber anderen. Bringe sie durch deine positive Einstellung zum Staunen und mach sie dadurch auf deinen Glauben aufmerksam!
Ein praktischer Vorschlag dazu: Man fastet ja heute rundum das Jahr für so gut wie alles: Autofasten, Fernsehfasten, Computerfasten.... Wie wäre es mal mit Kritikfasten. Nimm dir doch für die kommende Woche vor: «Ich werde wenigstens einen Tag lang nicht herumkritisieren und herumgrübeln.»
Weil du ein von Gottes Geist beschenktes, erlöstes, befreites Gotteskind bist, hast du das auch gar nicht nötig. Sag dir: «Ich werde alles positiv angehen und meine Umgebung dadurch positiv zum Staunen bringen.»
Stell dir vor: Die Polizei in Richmond, in Kanada, hat vor einiger Zeit nicht nur Strafzettel verteilt, sondern auch Belohnungszettel. Wenn jemand beobachtet wird, dass sich jemand im Strassenverkehr besonders rücksichtsvoll verhält, gibt es dafür Gutscheine fürs Kino, fürs Schwimmbad, fürs Golfspielen. Die Leute staunen nicht schlecht, denn das Miteinander in dieser Stadt war noch nie so gut, wie seit dieser Aktion. Mach auch mit! Verhalte dich positiv anders als man es erwartet und bring andere dadurch zum Staunen! Auch dadurch wird Gottes herrlicher Name bekannt, von dem der Psalm 8 so eindrücklich spricht. So führst du auch andere zum Staunen und zum Glauben an den Herrn, an den du selbst glaubst.
Der Physiker Albert Einstein hat angeblich einmal gesagt: «Wer sich nicht mehr staunen kann, der ist seelisch bereits tot.»
Damit das nicht von dir behauptet wird:
Folge bewusst den Worten des Psalms 8!
Staune über Gott. Staune über dich. Bring andere zum Staunen.
So nutzt du die positive Kraft des Staunens. Lass dich von ihr motivieren!
Amen.

Tillmann Luther, im Mai 2020.

’’Als es Morgen wurde, stand Jesus am Ufer’’

In frühmorgendlicher Stimmung, im ersten Tageslicht spielt der Bericht, den uns Johannes am Schluss seines Evangeliums überliefert: Im 21. Kapitel steht:

Jesus offenbarte sich noch einmal den Jüngern; es war am See Tiberias und geschah so:
Einige von ihnen waren am See beisammen: Simon Petrus, Thomas, Natanael aus Kana,
die Söhne des Zebedäus und zwei andere.
Simon Petrus sagte zu den ihnen: ’’Ich gehe fischen’’. ‘’Wir kommen mit’’, antworteten sie.
Gemeinsam gingen sie zum See und stiegen ins Boot.
Aber während der ganzen Nacht fingen sie nichts.
Als es Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Die Jünger wussten aber nicht, dass es Jesus war.
Er sprach sie an und fragte, ob sie ein paar Fische hätten.
Doch sie antworteten: ’’Keinen einzigen’’!
Da sagte er zu ihnen: ’’Werft euer Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dort werdet ich welche fangen’’.
Sie warfen das Netz aus und fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht ins Boot ziehen konnten.
Der Jünger aber, den Jesus besonders liebhatte, sagte nun zu Petrus: ‘’Es ist der Herr’’!
Als Petrus das hörte, band er sich das Obergewand über und sprang ins Wasser.
Die andern ruderten das Boot an Land, es waren keine hundert Meter mehr, und zogen das Netz hinter sich her.
Als sie am Ufer waren, sahen sie ein Holzkohlenfeuer mit einigen Fischen und etwas Brot.
Jesus sagte zu ihnen: ’’Bringt ein paar von den Fischen, die ihr eben gefangen habt’’.
Simon Petrus zog das Netz an Land. Es war voll von grossen Fischen, genau hundertdreiundfünfzig,
aber das Netz riss nicht.
Und Jesus sagte zu ihnen: ’’Kommt her und esst’’!
Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen, wer er sei, denn sie wussten es.
Jesus aber trat zu ihnen, nahm das Brot und verteilte es unter sie, ebenso die Fische.
Das war das dritte Mal, dass sich Jesus zeigte, seit er von den Toten auferstanden war.

Johannes berichtet uns hier von einer Erscheinung Jesu in Galiläa.
Die sieben genannten Jünger sind offenbar in die Gegend zurückgekehrt, aus der sie stammten, zurück in den Alltag,
aus dem sie Jesus gerufen hatte, um ihm nachzufolgen.
Drei Jahre sind seither vergangen. Aber was für Jahre! Eigentlich nur eine kurze Zeit, während der sich aber unglaubliche Dinge ereignet haben. Drei Jahre voll Staunen, Hoffen und Bangen – dann das grauenvolle Ende in Jerusalem!
Und am dritten Tag nach der Kreuzigung kommen die Frauen mit ihrem verwirrenden Bericht vom leeren Grab.
Die Jünger wollen es nicht glauben, bis sie ihn selber sehen.
Er, der Gekreuzigte, ist wieder bei ihnen!

Sie haben all die aufwühlenden Ereignisse noch nicht verdaut. Es scheint ihnen darum wohl das Vernünftigste, wieder an die alte Arbeit zurückzukehren. So fahren sie wie früher hinaus auf den See und legen ihr Netz aus. Aber in dieser Nacht haben sie kein Glück. Sie fangen nichts. Manche Stunde sitzen sie da draussen in der Finsternis, allein in ihrem Fischerboot. Da haben sie Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Sinnieren über all das Erlebte, Zeit zum Grübeln.
Alle sind sie durch die gleichen Erlebnisse verbunden und alle kauen sie an den gleichen Fragen:
Warum haben sie Jesus im Stich gelassen?
Als es brenzlig wurde, sind sie einfach abgehauen, jeder in der Sorge um die eigene Haut!
Er aber, er wurde verhaftet und umgebracht – und sie alle sind davongekommen.
Warum sind sie bloss so schwach und feige gewesen?
Er hatte sie doch überzeugt, er war ihr Lehrer, seinetwegen haben sie alles aufgegeben und sind mit ihm gezogen.
Er war viel mehr für sie als ein guter Freund. Und jetzt?
Sie sind an ihm schuldig geworden, das müssen sie sich eingestehen, vor sich selber und voreinander.
Das ist ganz und gar nicht rühmlich. Jeder von ihnen hat da einen wunden Punkt im Herzen.
Und jetzt noch dieser Misserfolg: nicht einen einzigen Fisch haben sie in ihrem Netz!
Es war Nacht, nicht nur am See Genezareth, es war auch Nacht in ihren Gemütern.

Wer kennt sie nicht, die Erfahrung solcher Nächte?
Gerade jetzt, wo durch ein Virus alles aus den Fugen zu geraten scheint.
Schwarze drückende Dunkelheit lastet auf Leib und Seele.
Bleierne Finsternis will und will dem Licht nicht weichen. Sorgen rauben den erfrischenden Schlaf,
Ängste kriechen quälend hervor: Wie soll das bloss ausgehen, was soll weiter werden?
Da mag die Angst um die eigene Zukunft sein, die Furcht vor lähmender Einsamkeit oder bedrohter Gesundheit.
Da sind Sorgen um Angehörige, Schwierigkeiten in Geschäfts- oder Finanzangelegenheiten.
Eltern sorgen sich um ihre Kinder und diese können nicht schlafen, weil die Eltern sich streiten.
Andere wälzen sich auf ihrem Lager, weil ihnen der Kummer in Herzensdingen keine Ruhe lässt.
Erlittenes Unrecht schmerzt, schlägt Wunden, die schlecht heilen.
Oder der Tod hat Lücken gerissen und bringt Leid und Schmerz.
Nagende Zweifel an Gottes Gerechtigkeit tauchen auf.
Da ist aber auch Schuld und begangenes Unrecht. Schuld von andern und eigene, eingestandene und immer wieder verdrängte. Da gibt es Dinge, die nicht wieder gut zu machen sind.

Die Finsternis der Nacht kann undurchdringlich erscheinen. Nacht der Seele, Nacht des Glaubens,
Nacht des Todes.

’’In dieser Nacht fingen sie nichts’’, berichte uns Johannes. Zur inneren Leere und Unruhe kommt nun noch der äussere Misserfolg. Schliesslich lenken die Jünger ihr Schiff wieder dem Ufer zu – nichts im Netz, nur leere Hände und Herzen.

’’Als es Morgenwurde stand Jesus am Ufer’’.
In der Morgendämmerung erwartet der Auferstandene die enttäuschte und niedergeschlagene Schar der Fischer.
Er steht da und wartet. Er kennt ihre Situation. Er weiss um ihre Not und die Einsamkeit des Herzens.
Er ist da - und wartet.

In der Morgendämmerung steht Jesus am Ufer. Er ist da, auch wenn die Jünger ihn noch nicht sehen und erkennen können. Er ist da und wartet am Ufer. Seine Gestalt löst sich langsam aus dem Dunkel. Ein neuer Tag steigt auf.
Das Licht besiegt die Finsternis.

’’Als es Morgenwurde stand Jesus am Ufer’’.
Mit diesem Satz zeigt der Evangelist, dass es immer wieder einen neuen Anfang gibt.
Christus erspart den Jüngern die Finsternis nicht, doch er will sie nicht darin belassen. Er spricht sie an, fragt,
ob sie etwas zu essen hätten, sorgt sich um ihr leibliches Wohl und geht auf ihren Misserfolg ein.
Er verschont die Jünger nicht vor der langen Nacht. Sie müssen sie durchstehen.

Auch für uns gibt es dunkle Zeiten, die wir aushalten müssen, Nächte, die durchwacht sein wollen, Stunden ohne Schlaf. Doch die Nacht dauert nicht ewig, sie muss dem Licht weichen.
Das ist ihr Geheimnis.

Wie mit den Jüngern will der Auferstandene auch mit uns einen neuen Tag anfangen.
So wie er sie anspricht und an ihrer Enttäuschung Anteil nimmt, will er sich auch an uns wenden: ’’Ist dir nicht gelungen,
was du gerne erreicht hättest? Siehst du keinen Ausweg mehr? Bist du verzweifelt’’?
Wie für die Jünger, ist er auch für uns da und erwartet uns.
Kein Leid, kein Schmerz ist zu gross, als dass er nicht helfen könnte.

Den Jüngern gibt er die Anweisung, das Netz nochmals auszuwerfen – und sie können es nicht ins Boot ziehen,
weil es voller Fische ist. Nach dem Misserfolg der Überfluss!
In der Gegenwart Christi wandelt sich klaffende Leere zu überquellender Fülle.
Mit ihm können auch unsere ’’Netze’’ unerwartet so reich gefüllt werden, dass wir es nicht fassen können.

Johannes erkennt als erster den Herrn, und Petrus springt gleich ins Wasser. Es drängt ihn ganz besonders, schnell bei Jesus zu sein, er, der ihn dreimal verleugnet hat! Er braucht wieder festen Boden unter den Füssen, weg vom wackeligen Boot und der beklemmenden Unsicherheit. Wie er den Auferstanden erkennt, wandelt sich die Qual in seinem Herzen in überströmende Freude. Bei ihm findet er wieder sicheren Grund.
In Jerusalem sind sie alle davongelaufen, Jesus aber lässt sie nicht im Stich.
Er ist da, hilft ihnen und nimmt sie an, so wie sind.

Der Auferstandene heisst sie nicht nur, das Netz nochmals auszuwerfen, er lädt sie auch zum Essen ein und bricht ihnen das Brot. Die bescheidene Mahlzeit wird durch seine Gegenwart zu einem Mahl der Liebe, zu einer Begegnung, die sie in der Gewissheit stärkt: Es ist der Herr!
Im gemeinsamen Mahl schliesst Christus jene zusammen, die versagt haben und verzagt sind.
Aber er erhebt keine Anklage. Nach der Finsternis der Nacht ist er da und stillt den Hunger von Leib und Seele.

Wie den Jüngern damals will Christus auch uns heute den Hunger stillen. Auch uns bricht er das Brot und sammelt all jene an seinem Tisch, die versagt haben, verängstigt sind und seine Nähe suchen.
Wie den Jüngern will er auch uns Hilfe anbieten und uns miteinander versöhnen.
’’Als es Morgenwurde stand Jesus am Ufer’’.
Ein kleiner Satz nur am Ende des Johannesevangeliums.
Ein kleiner Satz, aber was für eine Hoffnung und Verheissung! Der Auferstandene lässt uns in unseren Nöten nicht allein.
Er, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist, wartet auf uns, ist da.
Er will mit uns sein und uns begleiten – bis ans Ende der Zeit.
Nach der Nacht der Finsternis will er mit uns einen neuen Tag anfangen, will er auch in unserem Leben dem Licht zum Durchbruch verhelfen. Immer wieder macht er uns dieses Angebot, so lange bis wir, wenn der Lebensabend naht, ganz in seinem Lichte sein werden und er uns ’’am anderen Ufer’’ erwartet.
Amen

Susanna I. Kammacher, Pfarrerin/Pasteure, Mollens VS

Text: Psalm 117- Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes
1 Lobet den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen! 2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. Halleluja!

Hast du es heute schon getan?
Hast du heute schon jemanden gelobt? Deinen Ehemann, deine Ehefrau? Deinen Sohn, deine Tochter, deine Freunde?
Und: Hast du heute schon bewusst Gott gelobt? Unser Thema heute: Warum sich loben lohnt. Drei starke Gründe gibt es dafür, warum sich loben lohnt: Und der erste ist: Loben lohnt sich im Blick auf die Vergangenheit! Denn es öffnet dir die Augen! Vor einiger Zeit hatten wir einen Wassereinbruch in unserem Keller. Das ist erst einmal nicht so angenehm. Das bedeutet: Unser Keller musste ausgeräumt werden. Dabei habe ich etwas wieder neu entdeckt: ----- Meine Gesteinssammlung! Neben der Theologie beschäftigte ich mich seit meinem Studium auch immer wieder gerne mit der Geologie. Ich habe mich dann doch für die Theologie entschieden. Denn ich bin der festen Überzeugung: Die Steine von den Herzen der Menschen mit Gottes Hilfe wegzuräumen ist noch viel wichtiger und noch interessanter.
Aber durch diesen Wassereinbruch im Keller entdeckte ich nun meine alte Gesteinssammlung wieder neu. Das öffnet mir die Augen, was ich da alles für längst vergessene schöne Dinge, für Schätze im Keller habe. Und was trägst du für Schätze in dir? Denke einmal darüber nach: Wo hast du Gottes Treue erlebt?
Wo hat Gott dich bewahrt? Wo hat Gott dir vergeben?
Vergiss nicht, Gott für das Geschenk zu danken, dass du glauben kannst! Dass du zum Glauben gefunden hast!
Loben lohnt sich auch in Blick auf die Gegenwart!
Denn loben steckt andere an! Neulich lese ich: Uva uvam videndo varia fit. Das ist Latein. Übersetzt heisst das: Eine Weintraube bringt eine andere zur Reifung. In einem Buch lese ich dazu: Die Weintrauben signalieren sich gegenseitig, es ist Zeit zum Wandel, Zeit zur Veränderung. Ich bin kein Winzer. Aber auf uns Menschen trifft das sicherlich zu. So dürfen auch wir Christen durch unsere dankbare Haltung gegenüber unserem Umfeld positiv verändern und zu einem Wandel beitragen. Damit alle Völker Gott loben, wie Psalm 117 es sagt! Damit auch andere voller Freude das letzte Wort vom Psalm -Halleluja- sagen!
Stichwort Halleluja. Ich denke da an einen afrikanischen Christen: Er hatte die Angewohnheit, im Gottesdienst die Predigt immer wieder durch ein begeistertes »Halleluja« zu unterbrechen. Dem Pfarrer wird das langsam zu viel. Darum bestellt er den Zwischenrufer vor dem Gottesdienst zu sich und versprach ihm: Wenn du heute meine Predigt nicht unterbrichst, bekommst du am Schluss von mir als Dank ein Paar neue Stiefel geschenkt! Der junge Mann lässt sich begeistert darauf ein.
In seiner nächsten Predigt erzählt der Pfarrer, wie Jesus Christus, der Heiland der Welt, in einfachsten Verhältnissen für uns geboren wurde. Immer wieder beobachtet er dabei den jungen Mann, wie er unruhig auf seinem Sitz hin- und her rutscht und mit Mühe den Mund zuhalten kann. Es kostet ihn viel, still zu sein. Doch der Pfarrer predigt engagiert weiter: Seht, die Krippe, in die Jesus gelegt wurde, ist aus Holz. Aus Holz wie das Kreuz, an dem Jesus für uns gestorben ist- als unser Retter und ewiger Erlöser!
Da hält es der junge Mann nicht mehr aus. Er ruft es laut in die andächtige Gemeinde hinein: Stiefel hin, Stiefel her, Halleluja, gelobt sei Jesus Christus der Herr!- Darüber kann man jetzt darüber schmunzeln. Doch hätten wir nur 10% von der Begeisterung um den Herrn zu loben - was würde sich dann alles in unserem Glauben, in unserer Gemeinde, in unserem Leben bewegen?
Nimm dir es doch in der neuen Woche vor, jeden Tag mindestens einmal bewusst Gott vor anderen zu loben. Das kannst du zurzeit übrigens auch per Mail oder durchs Smartphone tun.
Loben lohnt sich in Blick auf die Gegenwart! Denn Loben motiviert auch in schwierigen Situationen. Gerade wenn du es schwierig hast, überlege dir:

  • Welche Gründe zum Danken hast du im Blick auf dein Leben?
  • Welche Gründe zum Danken hast du im Blick auf andere Menschen?
  • Welche Gründe zum Danken hast du im Blick auf den Herrn?
Bitte verstehe mich recht: Du darfst Gott alles sagen und klagen, was du auf dem Herzen hast. Auch in dieser derzeitigen nervigen Situation. Doch entscheidend ist dabei, dass du am Ende wieder die Kurve kriegst. Und diese Kurve heisst eben LOBEN.
Loben lohnt sich im Blick auf die Vergangenheit! Loben lohnt sich auch in Blick auf die Gegenwart! Das ist das dritte ist:
Loben lohnt sich im Blick auf die Zukunft!
Denn dadurch baust du eine positive Erwartungshaltung auf. Bete Dazu erwartungsvoll! Das heisst: Denke gross von deinem Gott. Stell dir vor: Da ist ein Angler. Er angelt und immer, wenn er einen Fisch fängt, nimmt er ein Massband. Wenn der Fisch 25 cm oder weniger gross ist, behält er ihn. Jeden Fisch, der grösser ist, wirft er wieder zurück. Ein Spaziergänger, der ihn dabei beobachtet, fragt ihn: Warum werfen Sie die Grossen weg und behalten nur die Kleinen? Der Angler darauf: Meine Bratpfanne zu Hause ist nur 25 cm breit.
–Wie gross ist die Bratpfanne deines Glaubens? Ich hoffe sie ist gross. Denn GROSSER GOTT wir loben dich- so haben wir doch schon so oft in unseren Kirchen gesungen. Und wir werden es sicherlich wieder tun, wenn wir wieder Sonntagsgottesdienste feiern werden..
Und darum: Loben lohnt sich im Blick auf die Zukunft!
Sei erwartungsvoll. Lobe den Herrn, danke ihm. Denn Gott hat auch für dich noch viel mehr Zugaben bereit und Sachen auf Lager als du denkst!
Denk doch einmal darüber nach: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du mehr von Gott erwarten? -In Beziehungen zu anderen? In Bezug auf dich selbst? In Bezug auf dein grösstes Problem?
Loben lohnt sich im Blick auf die Zukunft! Lobe Gott schon heute für deine Herausforderungen von morgen! Was steht bei dir an? Du kannst zB sagen: Herr, Ich lobe dich, dass du mir Kraft gibst für mein schwieriges Gespräch mit einer bestimmten Person. Ich lobe dich, dass ich bis jetzt durchhalten konnte, auch wenn es mir manchmal schwergefallen ist. Ich lobe dich schon jetzt, dass du mir in der kommenden Zeit hilfst.
Psalm 117 sagt, Gott will in seiner Treue bis in Ewigkeit für dich da sein! Darum wird er einen Weg für DICH finden. Darum leg immer wieder los, Gott zu loben. Es lohnt sich in jeder Situation/zu allen Zeiten. Gestern, heute und für immer! Amen.

Tillmann Luther, im Mai 2020

Du bist der Lebendige, der nach mir schaut
1. Mose 16,14 (1. Mose 16,1-16)

Eine bewegende Geschichte. Diese Geschichte von Hagar. Ein Beispiel auch dafür, dass Gott nach mir schaut, auch in ausweglosen Situationen. Ich bin Gott nicht egal. Er lässt mich nicht im Stich.
Diese überraschende Erfahrung machte auch Hagar. Eine bedrängte, ja verzweifelte Frau. Sie ist weggelaufen. Hat es nicht mehr ausgehalten. Die vernichtenden Blicke ihrer Chefin. Es wurde ihr zu viel. Sie hat rebelliert. Ist in die Wüste geflüchtet. Nein, sie war selber auch kein Unschuldslamm. Sie war überheblich. Hat hochmütig auf die ältere Sara herabgeblickt, die nicht wie sie schwanger war.
Aber nun befand sie sich in der Sackgasse. Geflüchtet. Einsam in der unwirtlichen Wüste. Verzweifelt. Ohne Perspektive. Doch genau in dieser ausweglosen Lage erlebte sie, wie Gott nach ihr schaute. Ihr begegnete.

1. Der Lebendige sieht mich – in jeder Lage

„Der Engel des Herrn fand sie an einer Quelle in der Wüste auf dem Weg nach Schur und fragte sie: Hagar, Sklavin Saras, woher kommst du, und wohin gehst du?“
Gott sieht mich. Auf allen Irrwegen. In unerträglichen Umständen. In meiner Befindlichkeit. In meinen innersten Regungen. In meinen kurzsichtigen Plänen. In meinen zerstörerischen Verhaltensweisen. Gott sieht mich.
Ich bin Gott nicht egal. Auch wenn ich mich selber in eine schwierige Situation hinein manöveriert habe. Auch wenn ich mich selber verrannt habe. Er geht mir liebevoll nach.
Es gibt diese verzweifelten Momente in unserm Leben. Ich denke da an die vergangenen Wochen. Corona hat mich isoliert. Ich musste Gottesdienste, Hochzeiten, Gespräche, Begegnungen absagen. Ich kam mir erst einmal so unnütz vor. Ich fühlte mich einfach schlecht. Einsam. Und dann zu spüren: Gott ist bei mir. Der lässt mich nicht allein. Ich bin immer noch sein geliebtes Kind. Das tat gut.
Gott sieht mich. Im eigenen Versagen. Im erlittenen Unrecht. Bei unverdauten Kränkungen. Bei meinen selber ausgeteilten Nadelstichen. Auf der Flucht vor schwierigen Menschen oder hoffnungslosen Lebenslagen. Der lebendige Gott selber, der um alles weiss, schaut nach mir aus und wendet sich mir mit Liebe zu.
Gott erkundigt sich nach Hagar, in der Wüste, am Brunnen. Was machst du hier? Sein Interesse, seine Fürsorge umfassen das ganze Spektrum von belastender Vergangenheit (woher kommst du?) bis zu einer ungewissen Zukunft (wohin gehst du?). Seine Liebe gilt uns umfassend.
Die ehrliche Antwort bringt dann aber etwas in Bewegung. „Ich bin meiner Herrin Sara davongelaufen.“
Was heisst das für uns? Ehrlich sein vor Gott. Nicht rechtfertigen. Nicht Ausreden bereit halten. Keine Erklärungsversuche. Ehrlich sein vor Gott. Zugeben, was nicht gut gelaufen ist. Versagen formulieren. Ihm den Frust klagen. Ehrlich werden vor Gott. Da kann sich etwas verändern.

2. Der Lebendige hört und redet

Gott redet zu Hagar. Er gibt ihr einerseits einen unmissverständlichen Auftrag. Aber auch eine ermutigende Verheissung.
„Geh zu Sara zurück. Bleib ihre Sklavin.“
Da stockt einem fast der Atem. Haben wir recht gehört? Geh zurück. Halte die belastende Situation aus. Ertrage die Herabsetzungen. Ist das nicht eine brutale Zumutung?
Wo mutet mir Gott etwas scheinbar Unerträgliches zu? Ein Schicksalsschlag, den ich akzeptieren soll? Eine schwierige Aufgabe vor der ich mich nicht drücken soll? Eine Krankheit, mit der ich mich versöhnen soll? Schwierige Menschen, denen ich nicht ausweichen soll?
Diese direkte Aufforderung an Hagar darf sicher nicht verallgemeinert werden. Manchmal hilft nur noch eine Trennung. Das sehen wir auch im späteren Verlauf der Geschichte von Hagar im Kapitel 21. Doch im Moment gilt die fast unmenschliche Herausforderung: Geh zurück zu Sara. Ordne dich ihr unter.
Wo fordert mich Gott heraus: Geh zurück, bleib dran.? Für mich heisst das, meine missliche gesundheitliche Situation anzunehmen. Mich nicht vor der schwierigen Herausforderung im Tourismus zu drücken. Mich nicht aus den gesellschaftlichen Aufgaben zurückzuziehen nur weil es Gegenwind und Anfeindungen gibt.
Nochmals die Frage: Wo fordert mich Gott heraus: Geh zurück, bleib dran.?
Von Gott initiierte Wege, die uns gegen den Strich gehen, sind aber häufig auch von göttlichen Verheissungen begleitet.
„Du wirst einen Sohn bekommen. Nenne ihn Ismael (Gott hört). Denn der Herr hat gehört, wie du gelitten hast.“
Der Name ihres Sohnes wird Hagar immer wieder vor Augen führen, dass Gott immer wieder offene Ohren hat. Und dass er Hilferufe hört. Ja, Gott hört auch unsere versteckten Klagen. Das Seufzen, das selbst unseren Nächsten verborgen bleiben kann. Gott nimmt äusseres und inneres Leiden feinfühlig wahr.
Im gekreuzigten Jesus Christus wird diese tröstende Wahrheit noch anschaulicher. Jesus leidet voll mit. Für unsere Schuld, für unsere Verletzungen, für unsere Krankheiten, für unser Leiden kam er in die Welt. Aus Liebe zu uns. Er schuf Vergebung. Heilung. Gotteskindschaft. Er bietet uns seine Freundschaft an. Geborgenheit. Ewigkeit. Er versteht uns. Er hilft.
Bei ihm sind wir mit all unseren Verletzungen gut aufgehoben. Jesus geht sogar so weit, dass er meine Kränkungen zu den seinen macht. Genauso wie meine Verletzungen und meine Schuld. Er macht sie zu den seinen.

3. Der Lebendige schaut mich an

„Da rief Hagar aus: Den, der mich angeschaut hat, habe ich tatsächlich hier gesehen! Darum gab sie dem Herrn, der mit ihr gesprochen hatte, den Namen: El Roi der Gott, der mich anschaut! Seitdem wurde diese Quelle „Quelle des Lebendigen, der mich anschaut“ genannt.“
Ein ermutigender Gottesname. El Roi. Ein Gott der sieht. Das ist sein Name. Ein Gott, der nach mir schaut. So ist er wirklich. Der lebendige Gott, der mich anschaut. Dem ich nicht egal bin. Das sind seine Identität und sein Lebensprogramm mit und für uns Menschen. Darum bricht es aus der überwältigten Hagar heraus: „Du bist der Gott, der mich sieht!“
Eine einmalige Gotteserfahrung in der Wüste. Ich habe den Gott gesehen, der mich gesehen und angesehen hat. Das ist der Höhepunkt in der Tiefe.
Selbst wo wir den Blickkontakt zu Gott verloren haben. Er blickt uns immer noch an. Wo wir den Fokus verlieren. Wir bleiben in seinem Fokus. Im liebenden Fokus Gottes, können wir uns neu auf ihn ausrichten. Von Gott angesehen, können wir Gott ansehen.
Egal, wie wir uns fühlen. Egal, wie verzweifelt wir sind. Wir sind ihm nicht egal. Er schaut uns mit liebenden Augen an. Ich darf mich an den mich liebenden Gott wenden, dem ich sehr wichtig bin. Der sogar sein Liebstes für mich gegeben hat. Ich darf zum lebendigen Gott beten, der mich hört. Ich kann den lebendigen Gott suchen, der mich findet. Ich bin eingeladen, Gott zu lieben, weil er mich schon längst liebt.
Vielleicht brauchen wir in unserm Leben manchmal so verzweifelte Wüstenerlebnisse, damit wir – wie Hagar – den uns immer liebenden Gott wieder neu erkennen und erleben.
Natürlich hinterlässt die ganze Geschichte auch ein paar Fragen. Die Rolle von Sara z.B. Der wenig überzeugende Auftritt von Abraham, der schliesslich der Vater des Kindes war. Auch die Selbstverständlichkeit der Sklaverei. Bloss, phänomenal in der Geschichte wirklich Gott. Er hat nicht bloss Geschichte mit Erzvater Abraham geschrieben. Nein, die in der damaligen Zeit so rechtlose Frau und Sklavin, die verzweifelte Hagar, war ihm genauso wichtig. Er sah sie mit ihrer Not. Er liebte sie. Er half ihr.
Ein grossartiger Gott. Er liebt uns. Wir sind ihm nicht egal. Amen.
Christoph Gysel

Bonus: Kolumne
„Hauptsache gesund!“ Diese Floskel begegnet mir immer wieder. Hauptsache gesund. Mich stört dieser meist sehr oberflächlich dahergeredete Satz. Zugegeben, ich bin nicht gesund. Lebe seit Jahren mit Einschränkungen, Schmerzen, Medikamenten, Operationen und Therapien. Und deshalb habe ich mir zu diesem Thema schon viele Gedanken gemacht. Nein, ich suche kein Mitleid. Ich habe ein gutes Leben, weil Gesundheit eben nicht die Hauptsache ist. Ich habe eine liebe Frau, mit der ich schon 36 Jahre verheiratet bin. Habe eine tolle Familie, eine spannende Arbeit. Ich habe – durch meine gesundheitlichen Einschränkungen – Begabungen wie das Schreiben entdeckt, die ich ausleben kann. Dazu kenne ich gute Freunde und vieles mehr, was mein Leben reich macht. Und dass ich, so wie ich bin, von Gott geliebt bin, ist einfach gut.
Gesundheit kann ein schönes Geschenk sein, wofür man dankbar sein kann. Aber sie ist definitiv nicht die Hauptsache. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Der Gesundheitswahn von heute erscheint mir irgendwie auch krank.
Vor gut 100 Jahren hat der deutsche Arzt und Politiker Rudolf Virchow die bedenkenswerte Aussage gemacht: „Ein bisschen Kranksein ist manchmal ganz gesund.“ Gesundheit ist nicht alles. Es gibt Dinge, die wichtiger sind. Z. B. sich in Gottes Hand geborgen zu wissen. Das hält auch, wenn mein Leben zu Ende geht. Der Psychotherapeut und Theologe Manfred Lütz hat nämlich schonungslos festgestellt: „Auch wer gesund stirbt, ist definitiv tot.“ Deshalb komme ich zum Schluss: Nicht: Hauptsache gesund! Sondern: Hauptsache in Gottes guter Hand!


Christoph Gysel

Unser Thema heute: TROTZDEM! Dazu gibt es einen Abschnitt aus Psalm 73. Diese Verse gehen auf einen Mann namens Asaph zurück. Jemand, der mit grossen Widerständen zu kämpfen hatte.

23 ...trotzdem gehöre ich zu dir! Du hast meine Hand ergriffen und hältst mich.
24 Du leitest mich nach deinem Plan und holst mich am Ende in deine Herrlichkeit.
25 Wer im Himmel könnte mir helfen, wenn nicht du?
26 Selbst wenn alle meine Kräfte schwinden, du, Gott, hältst mich; du bleibst mir für immer!
28 Ich setze mein Vertrauen auf dich, dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück.
Bleibe bei mir Herr. Amen.

Kennest du den Steinbrech? Das ist eine Pflanzenart. Äusserlich eher unscheinbar.– Und trotzdem: Diese Art wächst an den unmöglichsten Plätzen. Ja, sie ist ein echter Gipfelstürmer. Bis in den Gipfelbereich des Doms auf 4450 Meter dringt der Steinbrech vor. Der Dom in den Walliser Alpen ist mit einer Höhe von 4545 m ü. M. der höchste Berg, der mit seiner kompletten Basis innerhalb der Schweiz liegt. Dieser Steinbrech hält stand und bleibt dran und gibt nicht auf.

Genauso ist das bei diesem Asaph, dem Beter unseres Psalms. Asaph bleibt am Glauben dran. Und genauso darf das auch bei dir sein. Unser heutiges Thema ist: TROTZDEM!

Und der erste Punkt dazu ist: Bleib dran!

Bleib dran, auch wenn du aufgeben möchtest.

Es gibt eine wahre Geschichte von einer rostigen Spitzhacke. Jemand findet sie im alten Diamantengebiet von Südafrika. Der Stiel ist längst verfallen; der rostige Pickel aber steckt noch nach über hundert Jahren im Boden. Die Art wie sie Hacke fest im Boden steckte, lässt die Enttäuschung erkennen, von der ein enttäuschter Diamantgräber übermannt worden ist. Die ergreifende Tatsache aber ist, dass dieser unbekannte Schürfer folgendes nie erfahren wird: dass sich wenige Meter davon entfernt eine millionenschwere Diamantenader befindet. Schade, wenn jemand kurz vor dem Ziel aufgibt. Vielleicht war/ist es auch bei einigen von uns so: Du bist dabei, gerade aufgegeben zu wollen. Du hast persönliche Gründe oder da ist allgemeine Lage: «Wann ist das mit dem Virus endlich wieder vorbei? Mir fällt die Decke auf den Kopf!» So oder ähnlich mögen einige unter uns denken.

Du aber mach das anders. Sag «TROTZDEM!» und: Bleib dran! Und denk daran: Der Herr hat einen Plan für dich! So sagt es auch dieser Asaph, der Beter vom Psalm.

Bleib dran! Auch wenn es hart wird. Auch wenn du eine körperliche oder seelische Ausnahmesituation erlebst.

Brigadegeneral Rhonda Hudson Cornum geriet während des ersten Golfkriegs als eine von zwei Soldatinnen 1991 in irakische Gefangenschaft. Sie hat ihre Erinnerungen veröffentlicht, indem sie den Krieg und ihre Gefangenschaft in einem Buch beschreibt: «She went to war.» Das Buch ist eine Geschichte über persönlichen Mut und Widerstandskraft in schlimmen Umständen. Der Helikopter der damals 36-jährigen Armeechirurgin war über dem Irak abgeschossen worden. Cornum wurde schwer verletzt, ihre beiden Arme waren gebrochen, sie war hilflos. Irakische Soldaten nahmen sie gefangen, drohten, sie zu töten, folterten sie und quälten sie. Nach einer Woche wurde sie befreit.

Armeepsychologen, Reporter und Freunde forschten sie später aus. Wie schwer waren ihre seelischen Verwundungen? Würde sie das Trauma je überwinden? Cornum verblüffte sie alle: «Ich bin eine bessere Ärztin, eine bessere Kommandeurin, ein besserer Mensch geworden.» Sie, die vorher noch nie auf Hilfe angewiesen war, könne nun ihre bettlägerigen Patienten besser verstehen. Sie schätzt nun Freundschaften mehr. «All diese Dinge sind mir viel kostbarer geworden.» Die Erwartung anderer, dass sie zwangsläufig auf Dauer geschädigt sein müsse, fand Cornum irritierend: «Jeder hat von posttraumatischen Belastungsstörungen gehört – aber keiner von posttraumatischem Wachstum!» Auch Psychologen sammeln mehr und mehr Indizien dafür, dass ein dramatisches Erlebnis auch einen Neuanfang bergen kann. Zitat: «Zum einen birgt es eine zerstörerische Kraft, zum anderen aber TROTZDEM die Macht zu Transformation und Wiederauferstehung.» Kannst auch du dir das vorstellen, dass diese Virus-Krise uns stärkt? «Uns» als Familie, uns als Gemeinde, uns als Land, jeden einzelnen von uns? Gehen wir doch einmal die einzelnen Bereiche unseres Lebens durch und stellen wir uns diese Fragen. In jedem Fall und TROTZDEM:

Bleib dran! Auch wenn du es erlebst wie dieser Asaph: Es kann schwere Zeiten geben. Zeiten eben wie jetzt. Bleib dran. Bleib dran und gib nicht auf! Und das führt zum zweiten Punkt.

Der zweite Punkt ist: Vertiefe! Vertiefe in Schwierigkeiten deine Beziehung zu Gott.

Stell dir vor: Ein Techniker vom Störungsdienst repariert in einem Pfarrbüro das Telefon. Und der Techniker hört zu, wie sich drei Pfarrer unterhalten. Ihr Thema: «Welches ist die beste Gebetshaltung?»

Der eine meint, im Knien lässt es sich am besten beten, das wäre die einzige richtige Haltung vor Gott.

Der andere erklärt, dass er am besten im Stehen betet und dazu die Hände zu Gott erhebt. So würde die Sehnsucht am deutlichsten ausgedrückt.

Der dritte ist anderer Meinung. Für ihn ist die richtige Gebetshaltung, auf dem Boden ausgestreckt vor Gott zu liegen, so wie es an einigen Stellen in der Bibel steht, dass Menschen im Gebet so vor Gott liegen.

Da mischt sich der Fernmeldetechniker ein und sagt: «Also ich habe am besten durch folgende Situation beten gelernt. Als ich in echter Not mit dem Kopf nach unten an einem Telefonmast hing!»

Schau, da hat einer in grossen Schwierigkeiten seinen Glauben vertieft. Nutze auch du deine Herausforderung, deine Krise, um deine Beziehung zu Gott zu vertiefen: So wird dein Glaube konzentrierter, echter und stärker!

Vertiefe deinen Glauben in schwierigen Zeiten auch durch einen bewussten Kassensturz! Mach Kassensturz wie dieser Asaph. Der schaut in seiner Krise nicht nur auf das, was ihm fehlt. Sondern er wird sich jetzt bewusst, was Gott ihm gibt. Einen festen Halt. Eine echte Stütze. Einen wirklichen Trost. Mach auch du regelmässig einen Kassensturz. Überlege, was du an deinem Gott alles hast.

Folgender Text hilft mir bei meinem eigenen Kassensturz. Ich nehme mir ihn immer wieder einmal her. Er zeigt mir im Rückblick, wie Gott, der Herr mich geführt hat. Wie Gott mich Erfahrungen hat sammeln lassen und wie er meinen Glauben dadurch an ihn vertieft hat:

Ich bat um Stärke –aber Gott stellte mich vor Schwierigkeiten, die mich stark machten.
Ich bat um Weisheit – aber Gott gab mir Probleme, damit ich lerne, sie zu lösen.
Ich bat um Mut – doch Gott setzt mich Gefahren aus, die ich überwinden musste.
Ich bat Gott um Geduld und Gott liess mir im Alltag schwierige Leute begegnen, damit lerne mit ihnen zurechtzukommen.
Ich bekam nichts, was ich mir wünschte und erhielt von Gott alles, was ich brauche!

Findest du dich in diesen Beispielen wieder?

Unser Thema heute ist: TROTZDEM! Zwei Punkte hast du schon kennengelernt: Schritt eins: Bleib dran!

Schritt zwei: Vertiefe deine Beziehung zu Gott!

Unser Psalm zeigt dir aber noch den entscheidenden Schritt drei: Trotze! Trotze allen Widerständen!

Die Schweiz ist für zwei Sachen bekannt. Das erste ist Schokolade und das Zweite ist was?

Uhren natürlich! Erstmals 1927 erscheint in einem Katalog eine solche Armbanduhr. In Fachkreisen beurteilt man es damals als «Modenarrheit». Zitat: «Eine Uhr an der unruhigsten und den grössten Temperaturschwankungen ausgesetzten Körperstelle zu tragen, ist Unsinn.» Die Experten prophezeien, dass die Armbanduhr nur eine kurzfristige Erscheinung sein wird.

Der Erfinder macht TROTZDEM weiter und heute trägt fast jeder eine Armbanduhr. Und darum:

Trotze! Und geh mit Jesus noch einen Schritt weiter.

Geh mit Jesus in die ETH. Ich meine jetzt nicht in die ETH Zürich. Obwohl das bekanntlich eine gute Hochschule ist. Sondern ETH= in die erweiterte Trotzhaltung.

Jesus zum Beispiel geht noch über Asaph hinaus.

Jesus geht auch auf die zu, die den Kontakt zu Gott verloren haben.

Jesus betet auch für die, die ihm Schwierigkeiten bereiten.

Geh auch du bewusst in solch eine erweiterte Trotz-Haltung. Sag viel öfters bewusst TROTZDEM. TROTZDEM lass ich mich nicht abschrecken. Ich glaube an die Kraft des Glaubens, der bei mir und anderen und zwischen mir und anderen die grössten Hindernisse überwinden kann. Trotze auch du allen Widerständen! Sei ein TROTZDEM-Mensch.

Auch, wenn das nicht immer einfach ist.

Stell dir vor: Ein Mann hat grosse Muskeln. Er ist ein regelrechtes Muskelpaket. Dieser Mann mit grossen Muskeln wird einmal gefragt. «Wie kommen sie nur zu so tollen Muskeln, bitte verraten Sie mir ihr persönliches Geheimnis.» Darauf der Muskelmann: «Drei Dinge sind wichtig. Diese drei Dinge sind: 1.Üben 2. Üben 3. Üben.»

Genau das gilt auch für dich. So kommst auch du voran. Und darum:

Bleib dran! Bleib dran an deinem Glauben!

Vertiefe! Vertiefe deine Beziehung zu Gott, dem Herrn!

Trotze! Trotze allen Widerständen!

So bestehst du alle Herausforderungen deines Lebens, auch die derzeitige.

Amen.

Pfarrer Tillmann Luther, Visp, im April 2020.

Jakobs Ringen am Jabbok (1. Mose 32, 23-32)

Doch mitten in der Nacht stand er auf, nahm seine beiden Frauen, die beiden Sklavinnen und seine elf Söhne und überquerte mit ihnen den Jabbok an einer Furt. Auch alle seine Herden und seinen Besitz brachte er über den Fluss. Nur Jakob selbst blieb zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte heraufzog. Als jener merkte, dass Jakob sich nicht niederringen ließ, schlug er auf dessen Hüftgelenk, sodass es sich ausrenkte. Dann sagte er: "Lass mich los, die Morgenröte zieht schon herauf!" Doch Jakob erwiderte: "Ich lass dich nicht los, wenn du mich nicht vorher segnest!" "Wie heißt du?", fragte der Mann. "Jakob", erwiderte er. Da sagte er: "Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, Gotteskämpfer! Denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gesiegt." Da bat Jakob: "Sag mir doch, wie du heißt!" Doch er erwiderte nur: "Warum fragst du?"; und er segnete ihn. "Ich habe Gott ins Gesicht gesehen", sagte Jakob, "und ich lebe noch!" Darum nannte er jenen Ort Pnuël, Gottes Gesicht. Als Jakob Pnuël verließ, ging die Sonne über ihm auf. Er hinkte wegen seiner Hüfte.

Eine skurrile Situation:

Jakob befindet sich mit seiner grossen Familie auf der Flucht vor seinem Bruder Esau. Da kommt ein Mann daher und ringt mit ihm die ganze Nacht. Als Jakob beginnt, diesen Kampf zu gewinnen, renkt ihm der Fremde sein Hüftgelenk aus. Jakob lässt ihn nicht los, bevor er ihn segnet. Auf die Frage Jakobs, wie der Fremde heisst, bekommt er keine Antwort. Hinterher erzählt Jakob, dass er Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen habe.

Als ich diese Geschichte im Jugendalter zum ersten mal gelesen habe, habe ich sie nicht verstanden und mich darüber geärgert, denn sie ist unrealistisch. Jakob ist mit vielen Frauen und Männern gereist. Als er die ganze Nacht nicht zu den anderen kam, ist niemand zurückgekehrt und hat ihn gesucht. Warum hat sich keiner um ihn Sorgen gemacht und ihm geholfen? Und als Jakob nach stundenlangem Ringen endlich am Gewinnen ist, wird er auch noch von dem Fremden verletzt. Anstatt ihn zu bestrafen oder zumindest zu vertreiben, verlangt Jakob von dem Fremden, dass er ihn segnet. Wie kann man seinen Angreifer als Segnenden sehen? Und hinterher behauptet Jakob auch noch, dass er Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen hat, soll der Fremde etwa Gott gewesen sein?

Das alles passt nicht zu meinem Gottesbild. Für mich ist Gott Liebe. Warum soll er sich aus Liebe mit Jakob ringen und ihn dann auch noch verletzten? Heute, 35 Jahre später, lese ich diese Geschichte mit anderen Augen. Sicherlich geht es hier nicht um eine Berichtserstattung. Diese Geschichte lädt uns ein, etwas über das Leben zu lernen und uns mit unseren Kämpfen in einer anderen Weise auseinanderzusetzen.

Gerade ist Fastenzeit und ich muss gestehen, dass ich in den letzten Jahren zwar immer ein paar Tage nichts gegessen habe, aber vor allem, um etwas Speck zu verlieren, bevor die Ostereierflut über mich hereinbricht. Letztes Jahr habe ich vier Tage nichts gegessen und sehr gelitten, wenn die Kinder ihr Mittagessen nicht aufessen wollten. Am meisten beeindruckt hat mich aber, als ich zum Abschluss meiner Nulldiät in der Schulmesse eine Hostie gegessen habe. Es war für mich ein sehr beglückendes Gefühl und ich war sehr dankbar, mit dem Essen wieder beginnen zu können.

Was ist eigentlich der Sinn vom Fasten? Von religiöser Bedeutung ist sicherlich die Unterbrechung von Gewohnheiten und der bewusste Verzicht, die eine spirituelle Auseinandersetzung erleichtern. Auch biochemisch ist Fasten in der Ernährung sinnvoll. Unser Verdauungssystem wird von der unausgewogenen Ernährung gereinigt. In der Folge fühlen wir uns fitter und energiebeladener.

Offensichtlich lohnt sich der Verzicht beim Fasten, sonst würden es nicht so viele Menschen aus religiösen oder anderen Gründen tun.

Gerade befindet sich fast die gesamte Menschheit in einer Fastenzeit, die vermutlich sogar über Ostern hinaus anhalten wird. Um die Ausbreitung der Pandemie des Coronavirus zu verlangsamen, zwingt uns die Regierung zum Fasten. Ob jung oder alt, wir dürfen geliebtes nur noch sehr eingeschränkt machen und das für ungewisse Zeit.

Die Kleinen dürfen nicht mehr mit anderen Kindern auf Spielplätzen spielen und dürfen nicht mehr in Kindergärten gehen. Die Schulen sind geschlossen und die vielen Schüler müssen ohne sozialen Austausch lernen und sehen nicht mehr ihre Kollegen, mit denen sie täglich Zeit verbrachten. Die Jugendlichen leiden unter dem Sozial Distancing besonders, denn in diesem Alter zählt der soziale Austausch sehr viel. Die Berufslehre wird erschwert, eine Zusammenarbeit ist mit dem geforderten Sicherheitsabstand nur schwer möglich und die Regierung ruft uns täglich auf, uns aus dem Weg zu gehen, besser noch daheim zu bleiben. Familien dürfen sich nicht sehen, die Enkel winken ihren Grosseltern aus der Ferne zu, anstatt sie zu umarmen. Wer hustest oder niest, wird verängstigt angeschaut. Und je älter die Menschen sind, desto mehr sollten sie sich zurückziehen und darauf verzichten, sich auszutauschen oder zumindest die Schönheit der Natur zu erleben. Gerade diese Generation, die sich aktiv um soziale Beziehungen bemühen muss, wird am härtesten bestraft. Viele Menschen in Altersheimen bekommen nicht mehr die Besuche, auf die sie sich so sehr freuen, die für sie lebenswichtig sind. Der Austausch zwischen den Generationen droht zu versiegen. In Traurigkeit und Leid ist es für sie jetzt schwer, Menschen zu finden, die trösten und zu Seite stehen.

Das ist ein sehr hoher Preis für die Gesundheit, vielleicht für manche zu hoch.

Es ist ein täglicher Kampf, den wir zur Zeit durchhalten müssen. Ich bin den ganzen Tag zuhause, arbeite für die Lonza über unzählige Telefonkonferenzen, mit meinen Schülern mache ich das gleiche. Nebenher sollten wir die Kinder betreuen und dafür sorgen, dass sie ihre Schulaufgaben erledigen. So sucht jeder in der Wohnung einen ungestörten Platz. Als unser Bundesrat Berset die harten Massnahmen zu Verhinderung der Coronaausbreitung mitgeteilt hat, sagte er, dass das Leben jetzt langsamer laufen würde. Diesen Satz habe ich nicht mehr aus dem Kopf bekommen und er stimmt. Alles läuft langsamer, das meiste, weil es ineffizienter ist, weil die bewährten Abläufe nicht mehr erlaubt sind. Mir ist schnell klar geworden, dass wir uns entscheiden müssen, ob wir darüber jammern oder versuchen, uns mit der geforderten Situation anzufreunden. Und jetzt, nach drei Wochen habe ich interessante Beobachtungen gemacht:
Meine Kinder haben gar nicht so sehr gejammert über die fehlende Schule, die fehlenden Kollegen, und fehlenden Sporttrainings. Es hat sich etwas ganz Neuartiges entwickelt. Meine Kinder spielen fast den ganzen Tag miteinander, vorher haben sie das nur selten gemacht. Sie können inzwischen viel besser mit Langeweile umgehen. Ich habe für Lonza und Schule Arbeitsstrategien entdeckt, die wirksamer sind, als wenn ich Vorort wäre. Meine Familie erlebe ich den ganzen Tag. Es gibt gar nicht so viel zusätzliche Konflikte, aber ich verpasse weniger schöne Momente. Wir verbringen fast alles in Gemeinschaft und haben sogar wieder begonnen Brett- oder Kartenspiele zu spielen.

Sicherlich haben nicht alle dieses Glück, dass sie in dieser Quarantänezeit auch Gutes erleben. Für sie ist jeder Tag ein Kampf, ihr Leid nimmt zu und sie werden nach dieser Zeit hinken, so wie Jakob nach seinem Kampf. Jakob hat in seinem Kampf nichts profitieren können. Die Flucht vor seinem Bruder stand still, die Gefahr, von ihm entdeckt zu werden wuchs mit jedem Moment und er konnte in dieser Zeit für seine Familie nicht da sein. Aber er hat von dem Angreifer verlangt, dass er als gesegneter aus diesem Kampf geht. Aber wie kann uns diese Coronakrise ein Segen sein?

Vielleicht können Kinder und Jugendliche lernen, dass viele Dinge nicht selbstverständlich sind und dass weniger mehr sein kann. Wir Erwachsenen lernen in dieser Zeit, dass Leistung nicht alles ist, sondern die Gesundheit wichtiger ist. Wir haben mehr Zeit, unser Umfeld wahrzunehmen und uns mit uns selber zu beschäftigen. Die vielen Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind auf sich selber angewiesen. Vielleicht entstehen tiefere Beziehungen untereinander.

Sich mit Einschränkungen, dem Verzicht oder sogar dem Leid anzufreunden, anstatt daran zu verzweifeln, dazu lädt uns die Geschichte von Jakobs Kampf am Jabbok ein. Nicht umsonst, sieht Jakob Gottes Liebe in dem Kampf. Der Kampf in der Krise soll uns ein Segen sein.

Amen. Thomas Waniek, Prädikant der ref. Kirchgemeinde Visp.

Komm zum Kreuz!

Lukas 18, 31-34 Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden,

33 und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.

34 Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.

Lukas 23, 33-34 Jesu Kreuzigung und Tod

33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.

34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.

KOMM ZUM KREUZ! Das ist unser Thema am Karfreitag 2020. Aber: Wieso lohnt sich das? Dafür gibt es drei Gründe:
Das Kreuz ist das Zeichen deiner Befreiung! DAS IST DAS ERSTE.
Sagt dir „Bergans Powerframe etwas?“ Das ist der grösste Rucksack der Welt, den es im Handel zu kaufen gibt. Er hat ein Füll-Volumen von fast 200 Liter. Das ist ein Rucksack wie eine tragbare Schrankwand. Stell‘ dir mal vor, du setzt diesen Riesenrucksack nach einer langen Wanderung endlich ab. Was muss das für eine Erleichterung sein? Und so eine Erleichterung kannst Du auch heute, am Karfreitag erleben!

Und daher: Komm zum Kreuz, komm zum Gekreuzigten. Er wartet nur darauf, dass du ihm deinen Lebensrucksack gibst. Wie gross und schwer er auch sein mag. Was auch immer da drin ist: deine Sorgen, deine Verzweiflung, deine Schuld, was auch immer dich plagt und was du mit dir herumträgst. Jesus wartet nur darauf, dass du zum Kreuz kommst, dass du all deine Lasten bei ihm ablegst. Und im Gegenzug gibt dir Jesus sogar noch etwas: Frieden! Frieden mit Gott, seinem Vater. Frieden ganz tief in deinem Herzen. Frieden auch angesichts der grossen Ungewissheit, die uns in diesen Tagen erfasst. Die ganze Welt hält den Atem an. Viele sind verzweifelt und fragen sich: Wie soll es weitergehen? Wie lange wird dieser Virus noch unser Leben bestimmen? Und was werden die Folgen für unser Land sein?

Damit du in aller Ungewissheit diesen befreienden, tiefen inneren Frieden bekommst, ist Jesus bewusst den Weg nach Jerusalem gegangen. So wie er es angekündigt hat: als dein Retter, dein Erlöser, dein Befreier von Sorgen, Schuld und auch der Verzweiflung. Denn es ist Gottes ganze Leidenschaft, DASS DU FREI wirst. Und darum: Sag bewusst JA zu diesem Befreiungsangebot, das Jesus dir macht.

KOMM ZUM KREUZ! Denn das Kreuz ist Zeichen deiner Befreiung! ---Das ist das ERSTE. Und nun das ZWEITE:
Das Kreuz ist zweitens ein Zeichen der Praxis. Es lohnt sich zum Kreuz zu kommen, weil es dein Leben praktisch und positiv verändert. Wo andere nach Rache schreien würden, da sagt Jesus: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Es mag Situationen geben, da möchtest du am liebsten diesen Satz umdrehen und sagen: Herr, vergib ihnen ja nicht, denn die wissen genau, was sie mir antun.
Das Kreuz aber steht dafür, dass du es anders machst.

Neulich lese ich über die Geschichte der Hugenotten in Frankreich. Das sind die französischen Reformierten. Sie wurden einst wegen ihres Glaubens vom französischen König schwer verfolgt. Dies geschah besonders im 16. Jahrhundert. Was tun die Hugenotten in der Verfolgung? Mir fällt beim Lesen fast das Buch aus der Hand: Die verfolgten Reformierten beten für den König. Sie beten täglich. Als man von einer Verwundung des Königs hört, was tun die Hugenotten? Rufen sie: Ha, geschieht ihm Recht? Nein: Sie verdoppeln das Gebet für den König. Denn sie erinnern sich an Jesu Worte: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen. Das hat Jesus gesagt, wörtlich gemeint und er hat es selbst praktiziert- am Kreuz. Und jetzt halt dich bitte fest. Denn jetzt kommt’s: Jesus will, dass du das genauso machst wie er. Dass du seine Botschaft der Vergebung praktisch lebst.

Es geht ja zurzeit darum, die Infektionsketten vom Corona-Virus zu durchbrechen. Ganz ohne Zweifel ist das wichtig, dass wir alle mit ganzem Einsatz daran arbeiten. Darüber hinaus gilt es ebenso, die Infektionsketten der Vergeltung zu kappen. Das war so, das ist so und das wird auch nach der derzeitigen Krise so wichtig sein: Dass du die Vergebungsbotschaft vom Karfreitag praktisch lebst.

-“Ich bin doch nicht blöd!” mit diesem Spruch hatte der Media Markt seinen Siegeszug durch die Schweiz angetreten. “Ich bin doch nicht blöd!” Das denkt so manch einer, wenn er die Botschaft von der Vergebung hört. Aber: Wenn du vergibst, bist du ganz und gar nicht dumm, sondern du bekommst nur Vorteile. Sieh die positiven Vorteile beim Vergeben:

Vergeben befreit. Vergeben gibt dir neue Kraft. Es löst Blockaden in dir. Wer von euch hat das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci in Mailand live gesehen?

Es wird erzählt, dass Leonardo Da Vinci, als er dieses berühmte Abendmahl malt, etwas sehr Negatives macht: Da Vinci gibt dem Judas das Gesicht seines ärgsten Feindes. Da Vinci geniesst die Tatsache, dass er dadurch seinen Feind für immer blossstellen kann. Welch’ herrliche Rache! Aber da geschieht etwas Seltsames. Da Vinci kann das Bild nicht fertig stellen. Seine Kreativität ist erstickt. Plötzlich erkennt er, was er tun muss: Da Vinci vergibt seinem Feind. Zu gleich radiert er dessen Gesicht aus dem Gemälde wieder aus. In derselben Nacht malt da Vinci das Bild fertig. Vergeben löst bei ihm alle Blockaden. Vergeben will das auch bei dir tun.

Wobei: Vergeben bedeutet dabei nicht "gutheissen" oder "billigen“, was andere getan haben, sondern vor allem eines: loslassen. Darum ist Vergeben positiv für dich, deine Gesundheit, für deine Seele und deinen Glauben.

Vergeben ist unter dem Strich einfacher, als unversöhnlich zu bleiben. -Vergebung statt Vergeltung: DAS ist der Wille des Herrn. Das ist sein Programm. Das darf auch dein Programm sein. Denn: Vergeltung führt zu nichts. Warum haben wir denn bis heute so viel Kriege? Warum gibt es denn in so mancher Familie und Nachbarschaft dauernd Ärger? Weil Menschen immer wieder Vergeltung üben. Jesus weiss: Einer muss den Anfang machen und diesen Kreislauf unterbrechen. Und mit seinem Gebet am Kreuz macht Jesus das. Das darfst du genauso tun. Denn das Kreuz ist ein Zeichen der Praxis. Darum habe ich jetzt auch zwei praktische Vorschläge:
Jesus sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Mach diesen Vers zu deinem eigenen Gebet. Es ist sehr tröstlich diesen Vers nachzusprechen, gerade dann, wenn dir das Vergeben so schwerfällt. Du darfst Gott bitten, jemand zu vergeben, wenn dir selbst die Kraft dazu fehlt. Du kannst diesen Menschen Gott übergeben. Dabei kannst du sagen: Vater, vergib dieser Person, sie weiss letztlich nicht, was sie mir antut. Denke ebenso an dich selbst: Vergib auch mit Gottes Hilfe dir selbst. Nutze heute die Gelegenheit auch dadurch frei zu werden. –Halten wir fest:
Das Kreuz ist Zeichen der Befreiung!
Das Kreuz ist Zeichen der Praxis! Und nun noch das DRITTE:
Der Boxweltmeister Jim Watt wurde einmal gefragt: Was sollte man später einmal auf deinen Grabstein schreiben? Seine Antwort: Zählt solange ihr wollt − diesmal bleibe ich liegen!

Ein Christ aber sieht das völlig anders. Ein Christ ist davon überzeugt, dass er einst aufsteht… als Sieger über den Tod! Auch und gerade dafür steht das Kreuz. Das Kreuz ist Zeichen des Sieges. Wenn Jesus in den Leidesankündigungen über seinen Tod spricht, spricht er daher immer auch über seine Auferstehung. Das gehört für ihn fest zusammen. Und auch für uns am heutigen Karfreitag.
Das Kreuz ist Zeichen des Sieges.

Denn sie hängen Jesus zwar ans Kreuz. Sie teilen seine Kleider unter sich auf. Sie legen ihn ins Grab. Und sie denken: Jetzt ist alles vorbei. Aber am frühen Sonntagmorgen steht Jesus auf mit aller Macht des Himmels. Damit hat am Karfreitag vor 2000 Jahren niemand gerechnet. Die Jünger nicht. Pilatus nicht, die Soldaten unter dem Kreuz nicht. Aber du weisst es heute: Das Kreuz ist Zeichen des Sieges.

Und wenn du an Jesus Christus glaubst, hast du Gottes riesige Osterkraft in deinem Rücken. Frage: Wie würde dein Leben aussehen, wenn du diese Kraft wirklich nutzt?

Nimm dir ein Blatt Papier her. Falte es in der Mitte. Auf die linke Seite schreibst du: Das sind meine problematischen Situationen. Auf die rechte Seite notierst du: So könnte ich diese Situationen mit der Osterkraft von Jesus Christus angehen.

Denk daran: Wenn du an den Gekreuzigten und Auferstandenen glaubst, bist du -WAS AUCH IMMER GESCHIEHT -niemals verloren. In keiner Situation.

Darum gibt es kein Unmöglich. Auch in der derzeitigen Situation, in der ein Virus unser Leben lahmlegt, einschränkt und uns in Angst und Schrecken versetzt.

Darum gibt es immer einen Weg für dich.

Darum lass den Mut nicht sinken: weder für dich, noch für andere.

Da ich durch den Virus keine Besuche mehr machen darf (ausser beim Militär) rufe ich in diesen Tagen so viele Menschen wie möglich an und stelle ihnen zwei Fragen: Wie geht es dir? Wie kann ich dir helfen?- Ich lade dich ein, dies ebenfalls zu tun. Dies ermutigt dich und ebenso andere.

In jedem Fall: Womit du auch immer zu kämpfen hast: KOMM ZUM KREUZ!

Wenn uns etwas ganz wichtig ist, dann machen wir uns drei Kreuze in den Kalender. Drei Kreuze, kommt dir das bekannt vor?
Drei Kreuze stehen am Karfreitag auf dem Hügel Golgatha.
Drei Kreuze solltest du dir heute nicht nur in den Kalender machen, sondern sie dir ins Herz schreiben lassen:
Als Zeichen deiner Befreiung, der Praxis im Alltag und des Sieges über Tod, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. KOMM DAHER ZUM KREUZ! KOMM ZU Jesus Christus. Es lohnt sich. Dass Du das immer wieder neu persönlich entdeckst und erlebst das, wünsche ich dir von ganzem Herzen.
Amen. Pfarrer Tillmann Luther, Visp, im April 2020.

Wer sind wir?

Wir sind eine Kirchgemeinde der ERKW und Teil der evangelisch-reformierten Landeskirche der SEK.

Möchten Sie uns etwas mitteilen? Dann schreiben Sie uns doch bitte in unser Kontaktformular.

Evangelisch-reformiertes Pfarramt
Pfarrer Tillmann Luther
Napoleonstrasse 16a
3930 Visp
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Tel. 027 946 30 80

Kirche und Sekretariat
Terbinerstr. 16
3930 Visp
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Downloads

Hier finden Sie die neuste Version des Kontakts und der Evangelischen Stimme der ERKW zum Download.

  Kontakt

  Evangelische Stimme

  ERKW Infoblatt

  Konfirmandenunterricht 2019/2020

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30

Was läuft zur Zeit?

Hier geht's zu den Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen.